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Abzeichnen - Die Tricks der Alten Meister
Teil 2

Dass die Künstler damals Studien angefertigt haben, von denen sie wiederum abgezeichnet haben, wurde bereits beschrieben. Von einem echten Trick kann man hier noch nicht reden, da diese Vorgehensweise beim Malen und Zeichnen letztendlich auch die tatsächliche Fähigkeit voraussetzt realistisch zeichnen zu können.
Doch die Künstler hatten schon damals echte Tricks für das Abzeichnen.

Folgende Zeichentricks und Methoden werden in diesem Artikel vorgestellt:

Skizze als Entwurf eines Gemäldes
Eine Skizze von Leonardo da Vinci, die eine Architektur in der Zentralperspektive zeigt;
Verschiedene Personen und Reiter sind andeutungsweise gezeichnet

Methoden & Tricks für das Abzeichnen von den alten Meistern lernen

Durchpausen wie beim Siebdruckverfahren

Diese Methode ist mir aus einer Reportage über Michelangelo bekannt. Er hat Zeichnungen durchgepaust und mit einer Art Siebdruckverfahren auf den Malgrund übertragen.

Vorgehen – Durchpausen im Siebdruckverfahren:

  1. Es wurde eine Zeichnung angefertigt.
  2. Die Konturen der Zeichnung wurden gelöchert – es wurden also tatsächlich viele Löcher entlang der Linien in das Papier gestanzt.
  3. Dann wurde diese Zeichnung auf den Malgrund gelegt
  4. Mit einem Pinsel wurde dann die Farbe durch die Löcher im Papier auf den Malgrund gedrückt.
  5. So wurde die Zeichnung in einer Art Siebdruckverfahren ganz einfach auf den Malgrund übertragen. Die Methode ähnelt dem Übertragen einer Zeichnung mittels Pauspapier und Durchzeichnen.

Raster-Methode

Die Raster-Methode wurde ebenfalls schon in früheren Jahrhunderten angewendet. Dabei wurde die Methode sogar zum Abzeichnen von realen Motiven eingesetzt – also nicht zur Übertragung von einem Bild/Foto zu einer Zeichnung.

Vorgehen – Raster-Methode:

  1. Es wurde ein Rahmen mit mehreren Fäden bespannt, die ein Raster gebildet haben. Das heißt, dass diese Fäden die gezeichneten Linien auf z.B. einer Fotovorlage ersetzt haben.
  2. Der Rahmen wurde so zwischen dem Zeichner und dem Motiv aufgestellt, dass der Zeichner immer durch Rahmen blickte, wenn er auf das Motive gesehen hat.
  3. Das Raster wurde im gleichen Höhen-Breiten-Verhältnis auf den Zeichengrund bzw. Malgrund gezeichnet.
  4. Das Motiv konnte nun einfacher abgezeichnet werden, da man sich am Raster orientieren konnte.

Wenn man diese Art der Raster-Methode zum Zeichnen mal selbst ausprobieren möchte, kann es eine Hilfe sein, wenn man ein Auge schließt, sobald man durch den bespannten Rahmen blickt. So verhindert man das dreidimensionale Sehen und sieht die Realität genau wie auf einem zweidimensionalen Zeichengrund.
Das dreidimensionale Sehen kann bei dieser Methode nämlich etwas verwirrend sein.

Abzeichnen mit der Raster-Methode nach Dürer
Abzeichnen mit der Raster-Methode
Holzschnitt von Albrecht Dürer: Der Zeichner des liegenden Weibes

Die Camera obscura

Die Camera obscura ist ein relativ Aufwendiges Instrument um die Realität realistisch zu zeichnen. Es handelt sich um einen abgedunkelten Raum oder einen Behälter, in den Licht nur durch ein kleines Loch fallen kann.
Dadurch entsteht auf der gegenüberliegenden Wand ein Abbild der Welt draußen. Dieses Abbild steht dabei auf dem Kopf. Um diese Projektion nachzuzeichnen, wird eine Leinwand oder ein Papier an die Wand gestellt. Man kann nun die Projektion, die auf diesen Zeichengrund fällt, ganz einfach nachzeichnen.

Hat man keinen Raum, sondern nur einen Behälter, wird das Abbild auf die halbtransparente Rückwand geworfen. Das Licht, welches durch das Loch in der Camera obscura tritt, ist sehr schwach. Daher kann man die Projektion nur sehen, wenn der restliche Raum abgedunkelt ist. Mann kann dies zum Beispiel erreichen, indem man ein Tuch überzieht.
Eine solche Camera obscura wurde auch oft mit einer Sammellinse ausgestattet. Ist diese Sammellinse nicht verbaut, spricht man von einer Lochkamera.

Link zu Wikipedia: Camera Obscura

Abzeichen-Methode nach Dürer

Nun noch eine etwas aufwändigere Methode zum Abzeichnen, die Albrecht Dürer entwickelt hat. Er hat diese Methode vor allem in Hinblick auf das perspektivische Zeichnen verwendet. Die Methode ist auch im Bild unten Dargestellt (dabei handelt es sich außerdem um einen Holzschnitt von Albrecht Dürer selbst).

Bei dieser Methode wird das Bildmotiv mit Hilfe einer Schnur auf das Papier übertragen. Die Schnur wird an der Wand hinter dem Künstler durch ein Nadelöhr gezogen. An einem Ende wird ein kleines Gewicht befestigt, so dass die Schnur nun gespannt werden kann, aber trotzdem beweglich (verlängerbar) bleibt. Der Befestigungspunkt der Schnur entspricht dem Standpunkt des (imaginären) Betrachters des Bildes. An das andere Ende der Schnur wird ein Stab befestigt.
Der zweite Teil von Dürers Vorrichtung ist ein Rahmen, der auf dem Tisch befestigt ist. An dem Rahmen ist eine Tür befestigt, die auf- und zugeklappt werden kann. An dieser Tür wird der Zeichengrund befestigt. Des Weiteren bracht man zwei Schnüre, die je die Länge und Breite des Rahmens haben.

Vorgehen – Abzeichnen mit dem Dürer-Trick:

  1. Eine Person berührt einen Punkt am Zeichenobjekt mit dem Ende der (langen) Schnur, an dem der (Zeige-)Stab befestigt ist. Die Schnur ist dabei durch das Gewicht gespannt.
  2. Eine zweite Person nutz nun die beiden (kürzeren) Schnüre. Die beiden Schnüre werden horizontal und vertikal am Rahmen befestigt, so dass sie sich an dem Punkt kreuzen, an dem die lange Schnur durch den Rahmen tritt.
    Man hat also einen Punkt, an dem sich alle drei Schüre in einer Ebene schneiden.
  3. Die lange Schnur kann nun wieder locker gelassen werden, während die beiden kurzen Schnüre am Rahmen weiter befestigt bleiben.
  4. Jetzt wird die klappbare Tür mit dem Zeichengrund zugemacht.
  5. Durch das Kreuz der beiden kurzen Schnüre, die immer noch fixiert sind, kann man nun den Schnittpunkt auf den Zeichengrund übertragen.
  6. Dieses Vorgehen wiederholt man nun für beliebig viele wichtige Punkte des Motivs.
  7. Die übertragenen Punkte können nun durch Linien miteinander verbunden werden. So man die Kontur des Motivs ganz exakt zeichnen.
Zeichentrick für das Abzeichnen
Albrecht Dürer: "Der Zeichner der Laute" (1525), Holzschnitt einer Methode zum Übertragen der Realität auf eine Zeichnung

Hier ist der Originaltext, in dem Albrecht Dürer die Methode beschreibt:
Abzeichnen nach der Methode von Dürer

Der Text ist aus dem Buch "Underweysung der Messung mit dem Zirckel und Richtscheyt" aus dem Jahre 1525.
Hier ist ein Link zu dem Buch (4. Buch aus dieser Reihe):
Underweysung der Messung mit dem Zirckel und Richtscheyt

Durch Fensterglas pausen

Eine einfachere Methode war das Zeichnen auf ein Fensterglas. Dies setzte jedoch voraus, dass man eine Glasscheibe zur Verfügung hat – das war ja nicht in jedem Jahrhundert der Fall. Bzw. war die Qualität von Glas nicht die gleiche wie heute oder das Glas war einfach viel zu teuer.

Man stellt bei dieser Abzeichenmethode die Glasscheibe so auf, dass man dahinter das Motiv sieht, das man zeichnen möchte. Nun zeichnet man das Motiv einfach direkt auf der Glasscheibe nach.
Im Bild unten seht Ihr eine Illustration dieser Zeichenmethode – wieder von Albrecht Dürer. Auch diese Technik ist in oben genanntem Buch beschrieben.

Abzeichnen durch Glasscheibe
Abzeichnen mit Hilfe einer Glasscheibe – Holzschnitt von Albrecht Dürer

Die Skizze auf dem Glas konnte dann wiederum übertragen werden, indem man auf ein Papier abgepaust hatte. Die Skizze gelangte so von der Zeichnung auf dem Fenster auf ein Blatt Papier. Das ist ebenfalls sehr einfach, da das Licht durch das Fenster fällt und so die Linien auf einem Papier durchscheinen. Die Linien kann man dann ganz einfach nachzeichnen.

Zeichentricks der Meister

Ihr seht also, auch die ganz großen Künstler haben sich vielerlei Tricks für das Zeichnen bedient. Viele Methoden – wie die von Dürer – sind sogar relativ aufwändig. Daher kann man sich sehr gut vorstellen, dass diese Künstler das volle Programm der heute möglichen Methoden ausgeschöpft hätten, wären ihnen diese Möglichkeiten zur Verfügung gestanden.


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